Fotos ohne Unterschrift sind Wertlos

Ein Foto sollte eine Unterschrift haben, zumindest wenn es um künstlerische Fotografie geht. Kunst zieht den ideellen Mehrwert aus dem Umstand, dass es um Originale geht, die von einem Künstler geschaffen und signiert werden. Ohne den Faktor “Original” ist ein Bild nicht mehr Wert, als es in der Produktion kostet. Zumindest für einen Sammler/privaten Kunst Käufer. Die Nutzung von Bildern für kommerzielle Zwecke steht auf einem anderen Blatt. Siehe hierzu auch “Was ist Kunst?“.

Gerade aus diesem Grund sind Online-Shop-Galerien, was auch immer Systeme wie cafepress, mygal oder zazzle ziemlich witzlos für die Vermarktung von Fotokunst. Es fehlt das wichtigste Erkennungsmerkmal von einem Kunstwerk: Weder Handwerkszeug, noch Können, es kommt auf die Signatur an und eine begrenzte Auflage steigert den Wert nochmal (Faustregel: je weniger desto teurer).

Wertigkeiten von Kunstwerken:

Unikat > limitierte Edition > unlimitierte Auflage mit Unterschrift > Werk ohne Unterschrift

Kunstwerke bzw. ein Foto sind eine Wertanlage, nicht nur Objekte zum dekorieren. Es ist wesentlich leichter seine Fotos auf einem T-Shirt, Mousepad oder etwas anderem mit Nutzwert zu verkaufen, da es ein Konsumprodukt ist und selbst dann ist es für die meisten Fotografen immer noch schwer ihre Bilder zu verkaufen. Die Konkurrenz ist riesig und das eigene Werk geht ohne gutes Marketing unter. Sicher, wenn man nur eben schnell 1-2 Euro verdienen will und darauf hofft, dass Menschen die eigenen Fotos schön finden und deshalb an die Wände “pappen”, probiert eine Online Galerie! Sagt nicht ich hätte Euch nicht gewarnt: Die Wahrscheinlichkeit damit den Lebensunterhalt zu bestreiten ist verschwindend gering, aber versucht ruhig Euer Glück. Es ist immer wieder erstaunlich über wie wenig Einkommen man sich im Internet freuen kann, man sollte sich trotzdem ab und zu mal seinen Stundenlohn vor Augen führen.

Merke: Genau wie Kunstdrucke nie so wertvoll werden wie ein Originalgemälde, so werden auch einfache Abzüge nie den Preis einer limitierten Auflage mit Signatur erreichen.

Wie ermittelt man den Wert eines Fotos?

Der Wert eines Fotos ist eng verknüpft mit dem Bekanntheitsgrad des Fotografen. Wenn ein Künstler populärer wird und mehr Menschen bereit sind für ihn Geld auszugeben, steigt der Preis seiner Bilder. Ziemlich einfach. Wäre das alles nur einfach zu erreichen… es ist ein harter Weg, bei dem eine kleine Internetseite meist nicht reicht(eine große Seite vielleicht schon, vielleicht aber auch nicht ;)). Hier ein paar Stationen die den Wert eines Fotos exponentiell steigern können:

  • viele Ausstellungen (außerhalb von Anwalts- und Arztpraxen)
  • Buchveröffentlichungen (die auch gutes Geld bringen können)
  • ein Galerist (der erstmal die Hälfte einstreicht)
  • willige Sammler die Objekte kaufen wollen und präsentieren (es ist leichter jemanden etwas zu verkaufen der schonmal gekauft hat)
  • Dokumentationen/Reportagen/Nennungen in Medien (Kino > TV > große internationale Zeitungen / Internetseiten > überregionale Zeitung > Lokal TV > Internetseiten / Blogs > lokale Zeitungen)
  • die eigene Internetseite

Der klassische Weg zu Ruhm und Ehre ist: Zufällige Entdeckung.

Dieser klassische Weg entdeckt zu werden hat viele Nachteile, zum einen ist man auf die Gunst von wenigen mit viel Geld angewiesen. Nicht sehr Basisdemokratisch. Zum anderen wartet man auf eine Entdeckung, anstatt aktiv nach einem Durchbruch zu suchen. Alleine solch eine Haltung kann schon den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Heute ist es leichter einen gewissen Status durch Underground-Marketing (z.B. im Internet) zu erreichen, dass große Geld liegt allerdings noch immer außerhalb dieses Fischteichs(zumindest für Künstler) und wird durch andere Kanäle erreicht(Galerien, Auktionen, etc.). Somit ist das DIY(do it yourself) Maketing nicht zu verachten um sich einen gewissen Namen zu machen, sollte aber mit alten Methoden der Vermarktung verbunden werden um den maximalen Effekt zu erzielen.

Es gibt nur wenige Fotografen die wirklich als Künstler durchgehen, hier sind jetzt wohl Gursky oder Fotografen wie Hiroshi Sugimoto und Gregory Crewdson zu nennen, es gibt bestimmt noch andere erwähnenswerte. Gursky und Becher sind die Nachnamen für deutsche Fotokünstler, bekannt durch ihre Kunst und nichts anderes(außer wissenschaftlicher Lehre). Die meisten Fotografen verdienen ihr Geld mit Auftragsarbeiten und nicht mit ihrer Kunst. Es ist oft lukrativer als professioneller Fotograf Hochglanz-Bilder für die Werbung zu machen und danach Kunst zu produzieren (die Popularität ist dann schon vorhanden), als in der kleinen Nische der Kunstfotografie zu starten, da der Name fehlt.

Mach Dir einen Namen

Grundsätzlich sollte man es mit Bansky halten: “A lot of people never use their initiative because nobody told them to.” Man macht nichts weil niemand einen angestoßen hat und verfolgt alte Muster. Banksy ist ein Meister des Selbstmarketings, letztendlich kommt es nur darauf an genug Mut zu haben und sich einen Namen zu machen. Wenn dann auch noch die Kunst gut ist gibt es oft einen Markt außerhalb des Bildes: Vorträge, Bildbände, Ausstellungen, Auftragsarbeiten… der Weg zum Namen ist der Weg den ein Fotograf gehen muss. Wer mehr über die Macht des Marketings lernen will sollte jetzt ein Buch von Seth Godin* lesen, der Mann hat einfach eine Menge Ahnung wenn es um Werbung und Marketing für wenig Geld geht, oder Tim Ferriss, dessen Buch Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben* jeder gelesen haben sollte. Und wer zu faul ist ein ganzes Buch zu lesen, dem sei der Artikel 1000 true Fans Artikel von Kevin Kelly an die Hand gelegt, hier in der deutschen Übersetzung.

All diese Autoren geben Künstlern Werkzeuge ihre Popularität zu steigern und sich einen Namen zu machen. Das Internet eröffnet die Chance auf ein kostengünstiges Marketing, dass genau die Zielgruppe anspricht die ein Interesse hat, dadurch sollte der Mythos des hungernden Künstlers langsam aussterben. Kunst und Geld ist nicht ungleich Geld, man muss nur erst lernen was wahre Kunst ist und das fängt mit einer Unterschrift an.

4 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel!

    Ich habe erst am Wochenende mein erstes Foto gerahmt und mit Unterschrift versehen an die Wand gebracht. Es war zwar mehr ein Test wie das ganze aussieht und hat im Grunde nur zu vielen Fragen geführt.

    Die passenste zu diesem Artikel: Wo und womit unterschreiben? Und vielleicht für einen zukünftigen Artikel: Wie Fotos richtig Rahmen?

    Ausführlich:
    Kann man prinzipiell überall unterschreiben oder gibt es bestimmte, allgemein bevorzugte stellen? Ich habe mein Foto auf einen Karton aufgezogen und auf diesem auch Unterschrieben. Und zwar auf der sichtbaren Fläche zwischen Passepartout und Foto.

    Unterschrieben habe ich mit Bleistift. Sollte es da besser ein Dokumentenechter Stift sein?

    Zum rahmen von Fotos:
    Ich würde mir dazu einen extra Artikel wünschen, hier aber schon mal die dringlichste Frage: Muss das Foto kleiner sein als die “Öffnung” des Passepartout?
    Sollte man also wie ich es gemacht habe den Karton auf dem das Foto aufgezogen ist noch sehen können, der sollte das Foto größer sein, so das letztendlich die komplette Öffnung des Passepartout mit Foto ausgefüllt ist?

  2. Das klingt wirklich sehr interessant, was ihr da so schreibt. Natürlich habe ich auch lieber einen Künstler an der Wand mit Originalunterschrift. Aber ist es nicht auch so, daß die vielen – günstigeren Drucke den Künstler auch bekannter machen?
    Letztendlich muß man sich auch fragen, wie man ein großes Bild kostengünstig verschickt – damit es beim Käufer ankommt! Das können Versender meist besser… Aber wahrscheinlich stelle nur ich mir diese Frage!
    Weiter so!

  3. Nein stellst Du Dir nicht. Es gibt z.B. einen Künstler, dessen Name mir leider entfallen ist, der einen Kunstdruck Lauf bei Aldi gemacht hat. Nachdem dort seine 10.000 Drucke verkauft worden sind, ist sein Marktwert komischerweise nicht gestiegen, sondern eher gefallen. Angebot und Nachfrage. Sicher, günstige Drucke sind für die meisten Käufer interessanter, aber nicht für Sammler und die Wertsteigerung.
    Das mit dem Verschicken ist auch so eine Sache, je nach Wert und Größe, kann das durchaus kompliziert werden 🙂

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