Freundschaftsdienste in der Fotografie

Freundschaftsdienste in der Fotografie

Freundschaftsdienst werden durch das Wort definiert. Es sind Dienst für und an Freunden. Unternehmen können zwar nett sein, aber nett ist eine Attitüde, keine Charaktereigenschaft.
Freundschaftdienste sind, im Gegensatz zu der Meinung von vielen anderen, ok. Auch ich dachte wir sollten für alles und jeden Scheiß Geld nehmen. Die amerikanische Sichtweise halt. Wenn Du Videos aus dem englischsprachigen Raum siehst wirst Du diese Meinung ständig finden. Eine verkehrte Sichtweise, denn Anerkennung ist auch ok. Oder zumindest war sie das im Land des Ehrenamtes einmal. Freundschaftsdienste sollten aber nicht dazu dienen, dass Du Dienstleistungen, die in der Regel gegen Entgeld erfolgen, kostenlos anbietest. Macht keinen Sinn. Tut weh und in ein paar Jahren ärgerst Du Dich.

Regeln für Freundschaftsdienste

Mögliche, durchaus sinnvolle Regel sind:

  1. Es sind Freunde.
  2. Es sind keine Unternehmen.
  3. Es sind keine Bekannten X-ten Grades.
  4. Reziprozität kannst Du erwarten.
  5. Diese Freunde würden Dir auch helfen.
  6. Es herrscht kein Gewinnstreben.
  7. Du hast Bock auf das Thema.
  8. Du bestimmst die Regeln.
  9. Du fühlst Dich hinterher nicht schlechter als vorher.
  10. Der Aufwand ist überschaubar und stiehlt Dir nicht die Lebenszeit.
  11. Der Freundschaftsdienst steht nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu Deiner selbstständigen Tätigkeit.
  12. Du arbeitest nicht schwarz für einen Hungerlohn.

Was denken Fotografen über Freundschaftsdienste?

Der Stilpirat hat hier mal was dazu geschrieben. Deutschlands Foto-Papst seit WM und Formel 1 Paul Ripke hat dazu auch einiges zu seinen Anfängen gesagt? Die Diskussion über verpasste Chancen und Angebote, bei denen in der Zukunft größere Deals in Aussicht gestellt werden, bei denen aber nie irgendwas rausgekommen ist. Für Paul war das ok, denn beide Seiten hatten etwas davon, für den Stilpiraten eher nicht. Einen netten, aber durchaus sehr kritischen Artikel dazu hatte auch die SZ.

Freundschaftsdienste? Ja oder Nein.

Freundschaftsdienste sind eben genau diese: Aktionen zwischen zwei Menschen, um zu helfen. Diese zwei Menschen sollte sich a) kennen und b) am besten beide davon profitieren [und sei es nur wegen Karmabonuspunkten]. Unternehmen können keinen Freundschaftsdienst erhalten, denn sie sind ja eben dies nicht: Menschen. Kreativität sollte bezahlt werden, und man muss immer abwägen, was man nun macht und was nicht. shouldiworkforfree hat einen Flowchart, der leider nur das Spektrum “umsonst” abdeckt. Umsonst kann man mit ganz tollen Sprüchen umschreiben, aber das gibt es wirklich: Umsonst arbeiten. Kostenlos ist es aber meistens nicht. Freunden hilft man, egal ob beim Umzug oder wenn Sie mal ein Foto brauchen. Bekannten? Die kommen in dem Wort weniger vor. Damit hätten wir meine Haltung dazu geklärt.

Ein Freundschaftsdienst kann auch die Hilfe bei einem Projekt sein, dem Du Deinen Stempel aufdrückst, etwas ausprobierst und die Kosten übernommen kriegst, etwas für Dein Portfolio hast etc. Aber, dann muss es schon verdammt cool sein, der Kunde darf nicht nerven und es muss ein ernsthaftes Potential auf etwas Neues bestehen, dass auch Dich nach vorne bringt. Berwerbungsbilder, Firmenfotos, Hochzeitsfotografie gehört da eher nicht zu. Echt jetzt.

Ware Freundschaftsdienst, oder die tolle Chance auf mehr Bekanntheit

Deshalb zur Ware Freundschaftsdienst. Was wenn ein Bekannter, der wenig Geld hat, Euch um etwas bittet. Ein Bekannter wohlgemerkt (Du kannst bekannter auch mit Start-Up, Firma, etc. ohne Budget ersetzen), kein Freund, der einem aber trotzdem Geld gibt. Man hat ja immerhin Zeitkosten, Fahrtkosten, usw. Es liegt unter dem Satz, den ihr immer nehmt, ist für ihn aber ein fairer Preis. Oder ihr schlagt ihm etwas vor das Euch fair vorkommt, aber unter Eurem Preis liegt. Wann wisst ihr, dass ihr Euch unter Wert verkauft habt? Wann sollte man genau über einen Freundschaftsdienst nachdenken?

In der Freundschaft gibt es viele Wege der Vergütung, kostenlose Nutzung der entstandenen Fotos, zum Essen eingeladen werden, verschenken, es gibt 1000 Wege zu “tauschen”, wenn ihr aber den monetären Weg gehen wollt bedenkt immer: Wenn Ihr einen Preis vorschlagt, und der andere nicht anfängt zu verhandeln, habt ihr zuwenig genommen. Und es gilt die goldene Regel, dass Ihr kein schlechtes Gewissen haben dürft, zu verlangen was Ihr haben wollt.

Freundschaftsdienste sind für ebenjene: Freunde. Lasst Euch nichts anderes einreden. Schon gar nicht von Firmen! Wenn Du einmal einen Blick hinter die Budgets von Firmen geworfen hast, solltest Du Dich schämen für diese umsonst zu arbeiten. Da wird nur über Dich gelacht, oder noch eher bemitleidet. Nicht geil.

Der Tag hat nur 24 Stunden, davon sollte man mindestens 8 schlafen und den Rest sinnvoll füllen. Ehrlich jetzt. Du machst das schon und triffst die richtige Entscheidung. Und die kann auch sein, dass Du sowas machst. Nur ärger Dich nicht und stell Dir Regeln auf, die für Dich funktionieren. 🙂