Mit 1.000 Euro Startkapital in die Selbstständigkeit als Fotograf [als Fotograf durchstarten 2/12]

Durchstarten als Fotograf, aber so richtig. Hätte ich jetzt nur etwas Kleingeld für die richtige Ausrüstung oder zum Leben… aber leider kann ich das nie werden, da ich nicht genug Geld habe. So oder so ähnlich denken viele Amateure, die eigentlich lieber hinter der Kamera stehen möchten als ins Büro zu Tigern. Der Traumberuf ist Fotograf, aber kaum Kohle liegt auf dem Konto. Geht das? Wie weit bringen Dich 1.000 Euro. Was wenig Geld für den einen ist, sind Welten für die anderen. Ist es mit gerade einmal 1000 Euro Startkapital möglich eine fotografische Selbstständigkeit zu erreichen?

  1. Solch ein Start ist hart, und Du hast besser einen Backup-Plan oder Nebenjob am Start ehe es richtig anläuft. Ruhiger Schlaf wird anders aussehen in den ersten Monaten/Jahren.
  2. Ja, es geht.


Die wichtigste Frage: Was brauchst Du zum Leben?

Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Je jünger Du bist, umso weniger Kohle brauchst Du! Solange Du keine Schulden oder/und Familie hast, mit einer kleinen Wohnung zufrieden bist, vielleicht noch bei den Eltern wohnst oder kein Auto brauchst, kommst Du mit erstaunlich wenig Geld aus. In unserer konsumorientierten Gesellschaft wirst Du aber viele Stirnrunzler ernten, wenn Du auf Luxus verzichtest um Deinen Traum zu verfolgen.

Als Single ist es auch in Deutschland möglich, mit weniger als 1.000 Euro zu überleben. Lustig wird es nur wenn es irgendwann selbstständigen Regelungen gibt, bei denen Altersvorsorge betreiben werden muss, da mit ca. 2.000€ im Monat ein Mindestumsatz erwartet wird. Gehen wir aber mal davon aus, dass Dir für den Anfang 1.500 Euro reichen.

Die Grundsicherung – 1.500 Euro monatlich als Fotograf

  • Miete: 450 Euro
  • Lebensmittel: 250 Euro
  • Strom & Internet: 150 Euro
  • Versicherung: ca. 300 Euro
  • Taschengeld: 150 Euro
  • Shit Happens Fond aka Steuern: 200 Euro die JEDEN Monat auf einem extra Konto gespart werden müssen!

Altersvorsorge? Das wir nicht lachen! Alles was Du darüber hinaus verdienst ist super, Du musst nur den Betrag, den Du für die Steuern auf die Seite legst anpassen. Je nach Stadt oder ob Du in einer WG lebst, driften die Summen von oben nach unten. Lebst Du irgendwo auf dem Land wird die Miete vllt. niedriger sein, dafür brauchst Du ein Auto und hast vielleicht auch weniger Kunden, oder kannst nicht soviel Geld nehmen. In der Stadt sind die Mieten meist höher und die Konkurrenz größer. Vorteile, Nachteile und die unfairen Facetten des Lebens. Was musst Du also machen, um soviel Geld zu verdienen?

3 Hochzeiten á 500 Euro oder eine Hochzeit á 1500 Euro
10 Fotoshootings á 150 Euro oder 5 Fotoshootings á 300 Euro
[…]

Hier kommen wir zur einfachen Mathematik. Überlegt Dir wieviel Du für einen Gig nehmen kannst und rechne hoch, wieviele Fotoshootings Du dann im Monat machen musst.

Was sind die minimalen Start-up kosten für einen Fotografen?

Sagen wir, ihr habt maximal 1.000 Euro, kein Fotoequipment außer einer Point and Shoot Kamera, aber wollt Euch selbstständig machen als Fotograf. Ein Computer ist vorhanden, keine Hochleistungsmaschine, aber er läuft. Eine digitale Spiegelreflexkamera nicht. Geht das?

Jetzt werden viele den Kopf schütteln, aber ja, es geht. Ihr braucht keine Vollformatkamera um als Fotograf zu starten. Für die Jobs und Preise die Ihr als Einsteiger bekommt, darf niemand eine D4 oder 1DX, ja nichtmal eine D700 oder 5D Mark II, erwarten. Hier das Minimalequipment um als Fotograf Aufträge zu bearbeiten, wenn Ihr nur 1.000 Euro für das Anfangsequipment zur Verfügung habt.

  1. D7000 (ab 399 Euro in der Bucht*)
  2. 35mm f2.0 (ab 200€ in der Bucht) oder 50mm f1.8* (ca. 115 Euro neu)
  3. GIMP zur digitalen Nachbearbeitung (kostenlos)
  4. Eigene Webseite mit WordPress (50€) (http://uberspace.de/ wenn Ihr Zeit und Lust habt Euch einzuarbeiten ist die günstigste Alternative, wenn Ihr es einfach wollt geht zu einem der typischen Billighosts, da kriegt man Webseite Sorglospakete schon für unter 10€ im Monat.
  5. Professionelles WordPress Theme (50€) (ich empfehle Themeforest*, das Template für die digitale Fotoschule ist von dort, oder den Elegant Themes Club den ich schon für andere Seiten verwendet haben und der ein Preiskiller ist).
  6. facebook Account
  7. Euer privates Telefon/Mobiltelefon
  8. ca. 20 € wenn Ihr ein Gewerbe anmeldet, nix wenn Ihr eine freischaffende Tätigkeit anmeldet.

Wenns Ihr ein paar Hunderter mehr habt, holt Euch eine gebrauchte EOS 5D Mark II oder eine Nikon D700. Die Objektive bleiben die gleichen.

Mit dem ersten Gewinn, nicht Umsatz, besorgt Ihr Euch etwas zum Monitor kalibrieren, damit die Farben auf Euren Fotos stimmen, sonst seid Ihr schnell so richtig im Arsch. Als nächstes spezialisiert Ihr Euch entweder auf available Light und besorgt Euch 1-2 weitere Objektive, oder Ihr investiert in einen Lichtformer und portablen Blitz. Kauft Euch nicht zu viel Equipment, lernt erst mit dem umzugehen was Ihr habt, mit Modellen zu sprechen und Jobs klarzumachen. Zu viel Technik ist eine Ablenkung von den wesentlichen Grundlagen der Fotografie. Und das wichtigste ist jetzt nicht Euer Spielzeug, sondern Kunden, denn Ihr wollt ja überleben.

Calvin Hollywoods 5cent zum Thema sich Selbstständig machen

Wie alles was Ihr hier lest, sind meine Worte Dinge die Euch zum denken anregen, oder inspirieren sollen. Wenn Ihr denkt… was ein Bullshit ist das O.K., denn Ihr habt Euch eure eigene Meinung gebildet. Lernt aus allem und von jedem, hier ein paar smarte Worte von Calvin Hollywood. Calvin ist kein Vertreter des “Alles oder nichts” Prinzips, sondern vertritt die Meinung, dass es sich aus einer abgesicherten Lage einfacher gründet. Beide Wege führen ans Ziel und es kommt auf den eigenen Charakter an, welcher Weg funktioniert.