Der beste Trick, den man von einem Profi lernen kann ist: Sein ganzen Schaffenswerk erst nach dem Tod bekannt werden zu lassen. In Büchern, hinter verschlossenen Türen, oder sonstwo versteckt und von Forschern ausgegraben. Abgelegt unter Skizzen oder Studien, aber nicht in der finalen Werkschau enthalten. Wenn das Schaffenswerk hinter der Bühne überhaupt entdeckt wird, ist das Bild des Künstlers gemacht und hat kaum noch Einfluss auf seine Rezeption.
Zu Abstrakt? Das Zauberwort von dem wir hier gerade sprechen: “Selektion”. Je früher einem Fotografen bewußt wird, dass er nicht alle Bilder zeigen muss und er sich auf seine besten reduziert, desto schneller wird er ein ansprechendes Portfolio aufbauen. 20% unser Handlungen führen zu 80% der Ergebnisse. Dies hat Pareto schon vor Jahren erkannt und Fotos sind in diesem Zusammenhang nichts anderes.
Die beste Übung wenn man sich nicht entscheiden kann? 100 Fotos machen und nur 5 davon zeigen. Entscheidungen treffen ist schwer. Digitalfotografie verleitet dazu alle Bilder nebenbei zu zeigen. Schnell am Display oder Rechner zwischen Tür und Angel präsentiert, oder gar im Blog gepostet. Weniger ist mehr.

Eines mit der schwersten Aufgaben ist die kritische Selektierung der Bilder um nicht durch Masse sondern durch Qualität zu überzeugen. Leider vergessen dies immer mehr Fotografen, im heutigen Internet-Zeitalter wo der Speicherplatz nichts mehr kostet.
Ich selbst merke diesen Prozess an mir, ich entwickle immer noch zu viele Bilder aus dem RAW hinaus. Merke dies aber oftmals bei der Bearbeitung, somit kann es auch passieren das ich nachträglich fertig entwickelte Bilder wieder lösche da sie mir im Vergleich zu den anderen nicht mehr so gut gefallen.
Ich nenne die Selektierung mittlerweile schon die Auswahl der Besten der besten.
lg
Markus