Neben Muhammet Ali ist Bruce Lee wohl der größte Kampfsportler des letzten Jahrhunderts. Verstand er es doch wie kein anderer seine Persönlichkeit in Filmen zu vermarkten und den Westlern ein paar Brocken asiatische Lebensweisheit mit auf den Weg zu geben. Können Fotografen etwas davon lernen? Mit Sicherheit.
Bruce Lee wurde 32, und schaffte es in dieser kurzen Zeit 7 Kinofilme zu drehen, Chuck Norris und Kareem Abdul Jabaar als seine Schüler zu haben und Nunchucks zum Verkaufsschlager zu machen. Seine Zitate und Interviews sind unvergessen und so können auch unsere Kinder noch Bruce Lee in alten Interviews davon reden hören wie Wasser zu sein.
Be like Water my friend.
Als Fotograf sollte man eher nicht, außer man nennt ein Unterwassergehäuse sein eigen.
Genug der Kalauer. Der Geist muss flexibel sein, den eigenen Weg gehen, sich an Situationen anpassen, auch mal über ISO1200 gehen, das Stativ vergessen, oder gar nur im .jpg aufnehmen. Locker aus der Hüfte geschossen. Wasser findet einen Weg, und so sollte es jeder gute Fotograf sehen, und sich dem Flow hingeben.
All types of knowledge, ultimately mean self knowledge.
Je mehr man über die Fotografie lernt öffnet sich einem das Wissen, was gefällt & was eher nicht. Individuell, in Deinem Kopf, denn Du bist Dein größster Kritiker, der mit jedem Schritt Wissen ein Puzzelstückchen Weisheit finden kann.
Don’t think, feel….it is like a finger pointing towards the moon. Don’t concentrate on the finger or you will miss all that heavenly glory!
Technik ist gut und schön. Egal ob technische Technik, oder handwerkliche Technik, der Fotograf ist immer ein Mensch, und Menschen neigen zum denken. Oft ist es hilfreich einen Moment zu fühlen, das Licht wahrzunehmen, oder den unscharfen Moment einzufangen, anstatt ein technisch perfektes, aber dennoch langweiliges Bild zu machen.
Use only that which works, and take it from any place you can find it.
Haltet nicht an alten Idealen fest, die sich als nutzlos erwiesen haben. Lernt von allem und jedem, und verschließt nicht Eure Augen vor der Zukunft. Egal ob Escher, Bruce Lee oder Henri Cartier-Bresson, macht was aus Eure Ideolen und was Ihr von Ihnen lernt, aber seid wie Wasser, denn Traditionen und Dogmen behindern mehr, als dass sie eine Entfaltung ermöglichen, wie auch schon Bruce Lee in seiner Kampfkunst erkannte.
Viele Fotografen werden nicht müde nach Tipps zu suchen, wie man besser fotografieren kann. Natürlich ist dies nicht falsch, sie sollten trotzdem mehr fotografieren als lesen. Malcolm Gladwell stellte vor nicht allzu langer Zeit in seinem Buch Überflieger die These auf, dass man 10.000 Stunden braucht um etwas perfekt zu lernen. Pareto hingegen vertritt die These das 20% immer 80% von etwas ausmachen, sei es die Verteilung von Reichtum, der Wortschatz um eine Sprache zu sprechen, oder was auch immer. Schlimmer wird es hier noch, wenn man sich dieses Prinzip in Kombination mit Fossilierung anschaut. hier geht’s weiter[..]
Genau so ist es falsch. HDR ist mogeln. Übertriebene Kontraste sehen fake aus. Filter kann jeder anwenden. Teure Kameras braucht man nicht, billige machen aber auch keine guten Fotos. Objektive sind Glasscherben oder genial. Kurz gesagt: Fotografen haben viele ausreden, warum Bilder von anderen Fotografen schlechter sind als Ihre eigenen.
Leute, kommt mal klar! Das Leben besteht daraus Chancen zu nutzen. Ihr habt die Chance ein perfektes Foto zu machen, genau wie ihr die Chance habt es nachzubearbeiten, bis es nicht mehr wiederzuerkennen ist. Scheißt mal drauf und steigt von eurem hohen Ross. Fotografieren ist nicht professionelles Recht haben. Auch wenn es technisch ist und mancher Fotonerd erst die Technik und dann das Bild sieht.
Fotografieren soll Spaß machen, und da hier niemand zu Schaden kommt, heiligt der Zweck die Mittel! Fotos die Euch und Eurer Kunden/Fans/whatever gefallen sind gute Fotos. Es sind Eure Fotos, holt Euch Tipps, aber lasst niemanden sagen: so geht das nicht. Vielleicht geht das nämlich genau so! Stellt Euer Ego vor der Tür ab, und ignoriert mal für ‘ne Woche was Kritiker sagen, dann seid ihr auf dem Weg Kunst zu machen. Optimiert alle Fotos, oder keins. Geht analog oder digital, aber geht einfach Euren eigenen Weg. Schaut Euch keine anderen Sachen an, macht Euer Ding. Wie Walt Witman so schön in seinem Gedicht “The Road Not Taken” schrieb:
Two roads diverged in a wood, and I-
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.
Es erfordert Courage Ed Hardy zu tragen, gerade weil es von sovielen Menschen gehasst wird. Das kann und will nicht jeder, es zeigt Dummheit, Charakter oder einfach nur, dass man auffallen will. Genau deshalb hat die Marke funktioniert. Was zeichnet Eure Bilder aus? Wo eckt ihr an, löst Emotionen aus und macht einfach Euer Ding? Es steht alles im Ying und Yang, findet die Balance, es kann einen nicht jeder mögen, wenn man etwas bewirken will.
Foto von notsogoodphotography
Künstler oder Handwerker? Nagut, gehen wir mal einen Moment davon aus, dass nur wenige Fotografen Nerds sind, die ihren Datenfetisch mit Objektivwerten und Belichtungszeiten pflegen, sondern auch gerne Kunst produzieren [und wenns nur nebenbei ist]. Wie sagte es meine Professorin an der Uni so schön: “Perfektion Stinkt!”, ich glaube zwar, dass eben diese bei Studienarbeiten trotzdem erwartet wurde, wie auch das adäquate Zitieren von Quellenangaben, aber für die Fotografie trifft die schöne pragmatische Aussage zu.
“Perfekte” Aufnahmen, retouchieren bis auch jedes Gesicht faltenfrei und gleich gemacht worden ist, sind für den Löwenanteil der Werbung sinnvolle Strategien (konträr zum Ansatz von Dove). Kunst ist ein Kanal um Fragen zu stellen, nicht um oberflächliche Bedürfnisse zu befriedigen. Fragen an den Betrachter, das Hinterfragen von Gegebenheiten oder auch nur die Frage: WARUM? bzw. neu-Internetisch WTF?
Als Generation Google und ohne den Zwang Fragen, außerhalb einer Suchanfrage an die großen Suchmaschinen oder welche Hose zu welchem Hemd passt, zu stellen, hat es Ottonormalverbraucher schwer sich eine eigene Meinung zu bilden, die in einer eigenen Bildsprache niederschlägt. Die Gesellschaft der Massenindividualität. Warum sonst scheißt heute auch jeder auf seine Privatsphäre, den Hort der Kreativität, gibt alle seine Daten in Facebook ein & benutzt einen Service wie GoWalla oder Foursquare und raubt jede Überraschung? Transparenz? Wohl eher notorischer Geltungsdrang, den auch viele Künstler teilen, also vielleicht doch kein ganz falscher Ansatz um Kunst zu schaffen? Zurück zum Thema…
Fragen über Fragen
Künstler stellen Fragen. Fragen an sich selbst, an die Rezipienten, an Sammler, die Gesellschaft, praktisch an alle, die mit einem Kunstwerk in Berührung kommen. Ohne Künstler keine Kunst. Egal ob man den minmalistischen Ansatz verfolgt und alles reduzieren möchte, oder ob man alles übertreibt, es muss einfach (Achtung, 68er Sprache): von INNEN kommen.
Stellt euch den Künstler als Trichter vor, dieser sammelt (Erfahrungen, Ideen, Konzepte, etc.), dechiffriert diese in seinem Kopf (vllt. auch Herz), setzt sie künstlerisch um und stellt sie zur Diskussion in den öffentlichen Raum damit sie gesehen werden. Stereotypen haben deshalb auch so einen geringen Wert. Egal ob Fantasy, Goth Chick, Stockfotos, oder andere Stereotype “Kunstwerke”, denn diese sind nur Reproduktionen von Bildern und Ideen, die wenige relevante Fragen stellen und bei dem Betrachter meist nur wenige Fragen auslösen, da sie nicht hinterfragen und zuviele ungefragte Antworten geben. Bestes Beispiel: Ein Fantasy Bild mit einem Krieger und ein paar Schlangen, einer halbnackten Frau auf einem Haufen toter Gegner reckt sein Schwert in den Himmel. Alles lässt sich schnell erschließen und kann getrost dem Vergessen übergeben werden. Seit Conan oder der Neuinterpretation von National Lampons Vacation nicht mal mehr neu, sondern nur eine Kopie.
Was ist also Schönheit, die sowieso im Auge des Betrachters liegt, wirklich wert? Nicht viel. Oscar Wilde sagte schon vor über 100 Jahren sehr treffend:
The moment you think you understand a great work of art, it’s dead for you.
Wiederverwertbarkeit. In einer Aufmerksamkeitsökonomie, also in einer Gesellschaft mit wenig Zeit und Interesse, kommen für viele Künstler diese Fragen, zu Gunsten einer kurzfristigen Aufmerksamkeit, zu … kurz. So gibt man sich mit Lob zufrieden und geht nicht das Risko ein, neue Wege zu gehen, die Besucher vielleicht erst verstehen müssen, oder fast gar nicht verstehen können. Geschichten die mit dem Holzhammer erzählt werden oder eine plakativ einfach zu entschlüsselnde Bildsprache machen das Erlebnis Kunst, sei es im Film, Ton oder Bild, zu einem passiven Konsum, der nur wenig Aufmerksamkeit erfordert und keinen nachhaltigen Wert hat, außer dem Drang schnell zu vergessen und einmal kurz zwischen “Boah Geil” oder “Langweilig” zu entscheiden.
Eine andere Interpretation des Kunstbegriffs liefert Seth Godin. Nach seiner Definition von Kunst geht es bei Kunst nicht um das Kunstwerk, sondern um den Künstler, der den Mut hat Widerstände zu überwinden und etwas zu erstellen, was [abstrakten] Wert hat. Ein legitimer Ansatz, bis auf den Betrachter, der außen vorgelassen wird. Ohne Betrachter und sprechen über Kunst, ist Kunst keine Kunst, sondern ohne Relevanz. Das Zauberwort heißt hier in Fachkreisen Diskurs, sollte aber in Zeiten des Internets weit weniger Elitär betrachtet werden, da es seit der Streetart nicht mehr nur um Geld geht und Aufmerksamtkeit einen ebenso hohen Wert hat.
Welche Fragen stellt Ihr mit Euren Bildern? Welche Fragen stellen Eure Betrachter? Was ist Euer Anspruch an Euch selbst?
Foto von Kevin Dooley
The conventional interpretation is that the amateur pursues his calling out of love, while the pro does it for the money. Not the way I see it. In my view, the amateur does not love the game enough. [..]The professional loves it so much he dedicates his life to it. He commits full-time.” Steven Pressfield, The War of Art*
Steven Pressfield’s Buch The War of Art beschäftigt sich mit Kreativität und den Blockaden die Menschen aufbauen, um sich von ihren Projekten abzulenken. Sein Schlüsselwort in diesem Zusammenhang ist Widerstand (“Resistance”), eine unsichtbare Kraft, die immer wieder blockiert und boykottiert, damit der Kreative sein Werk nicht zuende bringt und im Meer des Mittelmaß versinkt. Pressfield weiss wovon er spricht, denn er hat selbst Jahre lang mit den Sympthomen des Widerstands gekämpft, ehe er es geschafft hat dem Ruf seines Schicksals zu folgen und Bücher wie The Legend of Bagger Vance* zu verfassen. Der Weg des Profis hat viel mit Einstellung zu tun, vorallem mit dem Willen seine Leidenschaft wie einen Job zu betrachten und es jeden Tag zu machen. Jeden Tag mit dem Widerstand zu Ringen und sich von der Muse küssen zu lassen. Dieses Buch ist jedem ans Herz gelegt, der es immer wieder schafft seine Leidenschaft nicht so zu verfolgen, wie es ihm seine Muse sagt.
Click. Das Foto ist gemacht. Viele Fotografen, nicht Fotografinnen, machen sich zuviele Gedanken um Technik. Leider keine Technik die bessere Bilder, sondern nur technisch perfektere machen. Jeder Fotograf hätte gerne das beste Equipment für die Aufgabe, wenige haben das Geld dafür und Menschen, nicht Fotografen, die Bilder betrachten, interessieren sich nicht wie ein Foto gemacht wurde. Fotografieren lernt man durch Fotografieren. Neue Dinge ausprobieren, experimentieren, lesen, nachmachen und erfinden. Macht das Beste aus euren Möglichkeiten. Egal ob mit 12.000 Euro Equipment oder einer gebrauchten Spiegelreflex für 20€ vom Flohmarkt. Lasst euch einfach vom Fotografen JR inspirieren. Der hat mit einer Kamera angefangen, die er in der Ubahn “fand”, damit begann Fotos für sein erstes Buch zu machen und schließlich im Jahr 2010 den mit 100.000$ dotierten TED Preis gewann .
Foto von Chris Dlugosz
Als Fotograf verbringt man ja glücklicherweise viel Zeit mit Menschen, oder zumindest in der Natur, naja außer man ist Food-Designer oder so ein Kram
Die Zeit mit kreativem Werkeln zu nutzen ist uns Fotografen mit dem Job geschenkt worden, quasi kauf einen nimm zwei. Wenn es dann aber zum Post-Processing geht muss man ja zwangsläufig an den Rechner und das Bildbearbeitungsprogramm seiner Wahl starten. Man kann seine Fotos noch so schön fokussieren, wenn es erst einmal an den Rechner geht wird das Motiv oft unscharf.
Workflow am PC
Wer kennt das nicht? Während das Programm startet kann man dann ja auch eben mal kurz Twitter besuchen, auf seinen Lieblingsblogs schauen was abgeht, einmal kurz ein paar tumblr Seiten anschauen und zack: 2 Stunden sind weg. Vielleicht auch nur 15 Minuten. Die Chance ist auf jeden Fall hoch, dass man anstatt an seinen geliebten Projekten arbeitet nichts macht. Zumindest nichts, was einen höheren Nährwert hat. Wenn es ganz schlimm wird fängt man an sich Social Media Expert zu nennen und seine Verschieber Social Networking Fähigkeiten an Unternehmen zu verkaufen. Aber wir sind und bleiben ja Fotografen! Also ein bisschen Ablenkung hier und da ist ja schön und gut, aber wir wollen uns nicht in den Untiefen des Internets verlieren.
Der private Überwachungsstaat
Es gibt unglaublich viele Blogs die sich mit der Optimierung des Workflows beschäftigen. Vorallem Freelancer und andere 1 Mann Unternehmen, die ihre Aufträge und Jobs über das Internet abwickeln, laufen Gefahr sich in Nichtigkeiten zu verlieren. Glücklicherweise ist man mit dem Problem nicht alleine und kann sich auf das Internet verlassen, denn hier gibt es die Programme um seinen Medienkonsum zu überwachen. Je nachdem wie schwer die eigenen Abhängigkeit ist gibt es unterschiedlich starke Interventionen.
- Modell 1 – Selbstkontrolle
Die Dokumentation vom Verhalten ist der erste Schritt sich darüber bewusst zu werden, was man den ganzen Tag vor dem Computer macht und bei welchen Aufgaben man am meisten Zeit verbraucht. Dann kann man selbst die nötigen Schritte machen um nicht wieder jeden Tag die gleichen traurigen Statistiken zu sehen, die einem die Tränen in die Augen treiben. Für diesen Zweck reicht die kostenlose Version von ManicTime, die das eigene Verhalten sehr gut in einem dreigeteilten Zeitstrahl dokumentiert. Der erste Zeitstrahl zeigt an ob der Rechner im Leerlauf ist, oder man Aktiv arbeitet, der zweite die Anwendungen in denen man sich befindet und der dritte an welchem Dokument gearbeitet wurde. Wenn man zum Abschweifen neigt ist es die ersten Male durchaus erschreckend, wie man zwischen den Programmen springt. - Modell 2 – Externe Beschimpfungen
Ein Programm, dass den Firefox Konsum detailliert kommentiert ist die Firefox Extension Rescuetime, die nicht nur anzeigt wie man seine Zeit beim surfen verbringt (sinnvoll / verschwendend), sondern diese auch dick und breit in der Fußzeile des Browsers anzeigt und dass dann auch noch mit den anderen Nutzer die das Plugin installiert haben vergleicht. Wenn man es eingeblendet lässt, sieht man immer ganz genau wieviel Zeit man im Internet verbracht hat, denn die Stoppuhr ist so groß, dass man sie fast nicht übersehen kann. - Modell 3 – Auf die Finger hauen lassen
Es gibt noch andere Programme, die bestimmte Webseiten für einen gewissen Zeitraum sperren. Nein, keine Kindersicherung, eine Produktivitätssicherung. Ein Programm, dass dies kann ist zum Beispiel Rescuetime, dass sich direkt mit seinem Google Account verknüpfen lässt. Datenschutztechnisch ist dieses Programm allerdings bedenklich, da die Informationen in einem Account gespeichert werden. Leichter sind allerdings Browser Plugins, die nur einen begrenzten Zugriff auf Internetseiten zulassen, die man als Zeitfresser definiert.
Leech Block [Firefox]
Chrome Nanny [Chrome]
Ablenkungen reduzieren.
Ablenkungen verändern das Gehirn auf eine bisher noch nicht genauer definierte Weise. Vorallem ist nicht genau bekannt warum das Arbeitsgedächtnis durch unseren konstanten Medienkonsum verschlechtert wird. Den Fokus zu finden ist für jeden Fotografen von größtem Interesse, egal ob hinter der Kamera oder vor dem Rechner.
Foto von Viernest
Zumindest wenn es um künstlerische Fotografie geht. Kunst zieht den ideellen Mehrwert aus dem Umstand, dass es um Orginale geht, die von einem Künstler geschaffen und signiert werden. Ohne den Faktor “Orginal” ist ein Bild nicht mehr Wert als es in der Produktion kostet. Zumindest für einen Sammler/privaten Kunst Käufer. Die Nutzung von Bildern für kommerzielle Zwecke steht auf einem anderen Blatt.
Gerade aus diesem Grund sind Online-Shop-Galerien, was auch immer Systeme wie cafepress, mygal oder zazzle ziemlich witzlos für die Vermarktung von Fotos. Es fehlt das wichtigste Erkennungsmerkmal von einem Kunstwerk: Weder Handwerkszeug, noch Können, es kommt auf die Signatur an und eine begrenzte Auflage steigert den Wert nochmal (Faustregel: je weniger desto teurer).
Wertigkeiten von Kunstwerken:
Unikat > limitierte Edition > unlimitierte Auflage mit Unterschrift > Werk ohne Unterschrift
Kunstwerke bzw. ein Foto sind eine Wertanlage, nicht nur Objekte zum dekorieren. Es ist wesentlich leichter seine Fotos auf einem T-Shirt, Mousepad oder etwas anderem mit Nutzwert zu verkaufen, da es ein Konsumprodukt ist und selbst dann ist es für die meisten Fotografen immer noch schwer ihre Bilder zu verkaufen. Die Konkurrenz ist riesig und das eigene Werk geht ohne gutes Marketing unter. Sicher, wenn man nur eben schnell 1-2 Euro verdienen will und darauf hofft, dass Menschen die eigenen Fotos schön finden und deshalb an die Wände “pappen”, probiert eine Online Galerie! Sagt nicht ich hätte Euch nicht gewarnt: Die Wahrscheinlichkeit damit den Lebensunterhalt zu bestreiten ist verschwindend gering, aber versucht ruhig Euer Glück. Es ist immer wieder erstaunlich über wie wenig Einkommen man sich im Internet freuen kann, man sollte sich trotzdem ab und zu mal seinen Stundenlohn vor Augen führen.
Merke: Genau wie Kunstdrucke nie so wertvoll werden wie ein Gemälde, so werden auch einfache Abzüge nie den Preis einer limitierten Auflage mit Signatur erreichen.
Wie ermittelt man den Wert eines Fotos?
Der Wert eines Fotos ist eng verknüpft mit dem Bekanntheitsgrad des Fotografen. Wenn ein Künstler populärer wird und mehr Menschen bereit sind für ihn Geld auszugeben, steigt der Preis seiner Bilder. Ziemlich einfach. Wäre das alles nur einfach zu erreichen… es ist ein harter Weg, bei dem eine kleine Internetseite meist nicht reicht(eine große Seite vielleicht schon
). Hier ein paar Stationen die den Wert eines Künstlers exponentiell steigern können:
- viele Ausstellungen (außerhalb von Anwalts- und Arztpraxen)
- Buchveröffentlichungen (die auch gutes Geld bringen können)
- ein Galerist (der erstmal die Hälfte einstreicht)
- willige Sammler die Objekte kaufen wollen und präsentieren (es ist leichter jemanden etwas zu verkaufen der schonmal gekauft hat)
- Dokumentationen/Reportagen/Nennungen in Medien (Kino > TV > große internationale Zeitungen / Internetseiten > überregionale Zeitung > Lokal TV > Internetseiten / Blogs > lokale Zeitungen)
- die eigene Internetseite
Der klassische Weg zu Ruhm und Ehre ist: Zufällige Entdecktung.
Dieser klassische Weg entdeckt zu werden hat viele Nachteile, zum einen ist man auf die Gunst von wenigen mit viel Geld angewiesen. Nicht sehr Basisdemokratisch. Zum anderen Wartet man auf eine Entdeckung, anstatt aktiv nach einem Durchbruch zu suchen. Alleine solch eine Haltung kann schon den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Heute ist es leichter einen gewissen Status durch underground Marketing (z.B. im Internet) zu erreichen, dass große Geld liegt allerdings noch immer außerhalb dieses Fischteichs(zumindest für Künstler) und wird durch andere Kanäle erreicht(Galerien, Auktionen, Buchverträge, etc.). Somit ist das DIY(do it yourself) Maketing nicht zu verachten, sollte aber mit alten Methoden der Vermarktung verbunden werden um den maximalen Effekt zu erzielen.
Es gibt nur wenige Fotografen die wirklich als Künstler durchgehen, hier sind jetzt wohl Gursky oder die Familie Becher zu nennen, es gibt bestimmt noch andere erwähnenswerte, aber diese Nachnamen sind die deutschen Fotokünstler, bekannt durch ihre Kunst und nichts anderes(außer wissenschaftlicher Lehre). Die meisten Fotografen verdienen ihr Geld mit Auftragsarbeiten und nicht mit ihrer Kunst. Es ist oft lukrativer als professioneller Fotograf Hochglanz-Bilder für die Werbung zu machen und danach Kunst zu produzieren (die Popularität ist dann schon vorhanden), als in der kleinen Nische der Kunstfotografie zu starten, da der Name fehlt.
Macht Euch einen Namen
Grundsätzlich sollte man es mit Bansky halten: “A lot of people never use their initiative because nobody told them to.” Man macht nichts weil niemand einen angestoßen hat und verfolgt alte Muster. Banksy ist ein Meister des Selbstmarketings, letztendlich kommt es nur darauf an genug Mut zu haben und sich einen Namen zu machen. Wenn dann auch noch die Kunst gut ist gibt es oft einen Markt außerhalb des Bildes: Vorträge, Bildbände, Ausstellungen, Auftragsarbeiten… der Weg zum Namen ist der Weg den ein Fotograf gehen muss. Wer mehr über die Macht des Marketings lernen will sollte jetzt ein Buch von Seth Godin* lesen, der Mann hat einfach eine Menge Ahnung wenn es um Werbung und Marketing für wenig Geld geht, oder Tim Ferriss, dessen Buch Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben*
jeder gelesen haben sollte. Und wer zu faul ist ein ganzes Buch zu lesen, dem sei der Artikel 1000 true Fans Artikel von Kevin Kelly an die Hand gelegt, hier in der deutschen Übersetzung.
All diese Autoren geben Künstlern Werkzeuge ihre Popularität zu steigern und sich einen Namen zu machen. Das Internet eröffnet die Chance auf ein kostengünstiges Marketing, dass genau die Zielgruppe anspricht die ein Interesse hat, dadurch sollte der Mythos des hungernden Künstlers langsam aussterben. Kunst und Geld ist nicht ungleich Geld, man muss nur erst lernen was wahre Kunst ist und das fängt mit einer Unterschrift an.
Foto eines Banksy Piece von Infrogmation
Ich glaube die beste kurze Erklärung wie Kunst zur Kunst wird liefert Banksy:
Art is not like other culture because its success is not made by its audience. The public fill concert halls and cinemas every day, we read novels by the millions, and buy records by the billions. We the people, affect the making and quality of most of our culture, but not our art.
The Art we look at is made by only a select few. A small group create, promote, purchase, exhibit and decide the success of Art. Only a few hundred people in the world have any real say. When you go to an Art gallery you are simply a tourist looking at the trophy cabinet of a few millionaires…
Banksy in “Wall and Piece*”
Der Erfolg eines Fotografen, der Fotokunst macht, steht in einem engen Zusammenhang zu seiner Präsenz in der Öffentlichkeit, wieviele Ausstellungen er hat und von welchen Galerien er vertreten wird. Die wichtigste Lektion, die ein junger Fotograf lernen kann, ist ein gutes Marketing für seine Arbeiten.
linker Teil des Bildes ist ein Foto von Jurek D.
Fotografie ist eine kreative Tätigkeit, ähnlich der Arbeit eines bildenden Künstlers. Allerdings gibt es auch handwerkliche Aspekte, ähnlich der Arbeit eines Handwerkers. Für welchen Weg soll man sich nun entscheiden? Machen Fotografen Kunst? Was ist überhaupt Kunst? Ist Fotografieren nicht angewandte Kunst? Also nur ein Handwerk?
Was ist Kunst in unserer Zeit?
Kunst ist die Zukunft, Neues schaffen und ausgetretene Wege verlassen. Eine gute Beschreibung für die Aufgabe der Kunst ist folgender Satz: “Der Motor der Kunst ist die Innovation.” Nach dieser Definition fallen klassische Handwerksaufgaben der Fotografie weg, zumindest wenn man Kunst machen will.
Was ist Kunst nicht?
Fotografie ist keine Kunst, solange nichts Neues entsteht oder kein eigener Blick entwickelt wird, dann ist die Fotografie nur ein Handwerk. Etwas nützliches, das kaum künstlerischen Wert hat. Auch Kunsthandwerk ist in diesem Zusammenhang als uninteressant zu betrachten. Jeder kennt die kitschigen Urlaubsbilder, die sind aber leider keine Kunst.
Wie macht man Kunst?
Kunst entsteht durch einen Diskurs, also die Diskussion über Arbeiten von Menschen die etwas in der Kunstwelt zu sagen haben. Dies bedeutet: Kunst muss ausgestellt werden. Kunst muss gezeigt werden, über Kunst muss geredet werden. Je mehr Leute, die Ahnung haben, von etwas sprechen und darüber diskutieren, desto größer wird der Bekanntheitsgrad. Kunst ist ein gesellschaftliches Konstrukt, dass durch Kunst auf der Straße momentan stark durchgeschüttelt wird. Kunst war immer ein sehr elitäres System, in dem Außenstehende nichts zu suchen hatten.
Warum macht man Kunst?
Wenn Kunst so eng klassifiziert ist, warum macht man sie dann überhaupt? Kunst entsteht um der Welt seinen eigenen Blickwinkel darzustellen. Man schafft Werke, über die geredet wird, die beeinflussen und sich nicht den neusten Trends unterwerfen. Dinge werden in Frage gestellt, der Betrachter wird dazu aufgefordert und herausgefordert Kunst zu diskutieren. Kunst muss nicht leicht zu verarbeiten oder schön sein, muss aber auch nicht schwer zu verstehen sein.
The moment you think you understand a great work of art, it’s dead for you. Oscar Wilde
In dem Moment, in dem du glaubst du würdest ein großes Kunstwerk verstehen, ist es für Dich tot. An diesem Satz ist sehr viel wahres und jeder, der künstlerisch tätig ist, sollte über ihn nachdenken. Was ist für Euch gute Kunst?
Kunst & Fotografien?
Für Fotografen gibt es unterschiedliche Wege, die ans Ziel führen. Sie können ein Handwerker sein, der Aufträge erledigt und seinen Lebensunterhalt damit verdient. Sie können ein Amateur sein, der für sich fotografiert und seine Fotos mit bekannten teilt oder auf Flickr veröffentlicht. Als Fotograf kann man allerdings auch Kunst machen, eigene Werke, Ausstellungen, ein Portfolio, etc. Kunst bedeutet nicht, dass man damit zwangsläufig Geld verdient, aber es zeigt eine Einstellung. Man beschäftigt sich mit dem Thema, hat seinen eigenen Blick, reflektiert seine Werke, zeigt und stellt sie zur Diskussion. Kunst ist eine Einstellung. Oder man geht einfach raus mit seiner Kamera und macht Bilder. Bilder. Bilder. Letztendlich ist es nur eine Frage der Definition und Kunst liegt im Auge des Betrachters. Aber Kunst ist heute halt mehr als nur ein Wort, es ist ein elitärer Teil der Gesellschaft in den man erst Zugang finden muss. Ein paar Fotos in einer Arztpraxis oder einem Café sind meist kein Schlüssel um diese Tür zu öffnen.
