Foto von Ben Crowe
Was stimmt nicht mit dieser Aussage? Zoomyboy twitterte: “Manche vergeuden zu viel Zeit mit dem philosophieren über Fotografie, anstatt das sie es einfach tun!” Gefolgt von dem guten alten Sportartikel Hersteller Slogan: Mach’s einfach! Eigentlich ist man doch geneigt zu sagen: Recht hat er! Warum sollte es also falsch sein? Ganz einfach: Fotografieren ist Philosophie, und daher untrennbar mit der Fotografie verwebt. Den Moment einfangen, die Zeit stillstehen lassen, die Welt durch eine Linse reflektieren… geht es noch viel Philosophischer? (Naja außer vllt. dem negieren des Seins) Wer strebt nicht nach dem besseren Bild, frei nach dem japanischen Kaizen, es immer besser machen zu wollen. Philosophie tut gut, denn was bleibt einem Fotografen der die Technik gemeistert hat? Nur die Philosophie über den perfekten Moment, die kleine Aufnahme die Welten verändert und die Zeit bannt. Die Illusion von Wichtigkeit im Wind der Zeit.
Toys, nicht Gadgets. Gadgets sind ja des Fotografen Liebling, Toys hingegen alle anderen Fotografen, die man nicht so mag. Für Anfang bis Mitte 30 Jährige dürfte der Begriff Toy noch jenseits des Spielzeugs existent sein, zumindest wenn man cool und hip war
. So sagt uns das Urban Dictornary: Ein Toy ist ein Graffiti-Künstler der noch keinen Stil entwickelt hat und seine Werkezeuge nicht kontrollieren kann. Oft wird dieser von “erfahrenen” Writern gemaßregelt, die neben seine Schriftzüge Toy schreiben! Kurz: so richtig vorpupertäre Selbstdarstellung. Ich bin toll, Du nicht.
Kommt man aus der Pubertät und hat ein Hobby wie die Fotografie, ändert sich daran nicht viel. Der gute Ton im Internet ist der des Flamewars. Erwachsene Männer echauffieren sich über Dinge, die vollkommen unwichtig sind und bilden wie schon auf dem Schulhof Cliquen. Wer seine Pubertät ohne das Internet durchlaufen hat, braucht wohl etwas länger um einen ruhigen und gepflegten Sprachstil in ebenjener digitalen Welt zu erwerben. So scheint ist es immer wieder erstaunlich wie schlimm HDR ist, warum man den Kontrast und die Schärfe nicht übertreiben sollte und dass dies doch alles nach Fotograf Xy aussieht. Massig Dogmen, die pur kaum zu ertragen sind, mit Wasser verdünnt werden müssen, damit sie überhaupt Platz für Kreativität lassen, denn eigentlich ist alles verboten. Naja vllt. darf man noch auf den Auslöser drücken, aber bitte vom Stativ, ohne Nachbearbeitung und mit ISO 100, sonst ist das falsch. Und wehe Ihr könnt nicht die Einstellungen runterbeten mit denen das Foto gemacht wurde, oder schaut nicht auf das Histogramm.
Erstmal ein Geheimnis: man fotografiert immer mit einer Kamera. Da kommen immer Fotos raus, und erst wenn jemand da was wirklich neues schafft, das nichts mit Fotos zutun hat, lohnt es sich zu sagen: Wer hätte das gedacht? Das gabs noch nicht! Solange Fotografen aber nur mit Licht malen, tjo… da machen wir alle mehr oder minder… Fotos.
Und worauf läuft dieser nun doch schon lange Einleitungstext hinaus? Auf ein paar wichtige Grundregeln im Umgang mit Kritiken im Internet!
Fotokritiken, aber richtig
Anfänger möchten gerne wissen wo sie stehen, wer will das nicht? Die Unsicherheit die mit dem Prozess des Erschaffens kommt ist riesig und nicht jeder hat ein überdimensionales Ego um immer: TOTAL GEIL! über seine eigenen Arbeiten zu sagen. Nicht jeder Kritiker hat Ahnung, noch sollte man auf jeden hören. Hier sind ein paar der Kritiker über die ein Fotograf im Internet stolpern kann.
- Der wichtigste Kritiker ist man selbst. Was Dir nicht gefällt, taugt nur wenig, selbst wenn andere es lieben. Leider ist man manchmal Betriebsblind, von daher ist äußerer Input wünschenswert.
- Vertraue Deiner Familie im Bezug auf Deine Fotos nicht bedingungslos, die sind nämlich voreingenommen. Cool wenn sie es mögen, aber … pssst … voreingenommen, daher nicht zwangsläufig objektiv.
- Flickr… gibt Dir kaum ehrliches Feedback, da jeder damit beschäftigt ist seine eigenen Fotos zu posten.
- Ein eigenes Portfolio hilft, wenn es von Blogs und Internetseiten verlinkt wird, kannst Du davon ausgehen, dass Deine Fotos gefallen.
- Kritik von Menschen, deren Kritik Dir etwas bedeutet. Andere Fotografen, Kunden, Fans… Menschen die entweder etwas von Bildern verstehen [und deren Arbeiten Du auch gut findest!], oder die dazu bereit sind Geld für Deine Bilder auszugeben.
- Kritik von selbsternannten Guru’s = Nutzlos. Im Kampfsport sagt man Styles make Fights, gleiches gilt für die Fotografie. Künstlerische Visionen unterscheiden sich, und so beschränken sich viele Fotografen auf die technische Umsetzung, da diese leichter zu begründen ist. Jemand der dir selbst eine Kritik aufdrückt hat meistens zuviel Zeit, die er lieber darauf verwenden sollte selbst endlich mal gute Bilder zu machen.
Foto von der US Army
Der Stilpirat war mal wieder wegweisend, oder war es gar Paul Ripke in seinem Interview? So stießen beiden die Diskussion über verpasste Chancen und Angebote, bei denen in der Zukunft größere Deals in Aussicht gestellt werden, bei denen aber nie irgendwas rausgekommen ist. Freundschaftsdienste? Wohl eher ausgenutzt werden.
Was genau sind Freundschaftsdienste?
Freundschaftsdienste sind eben genau diese: Aktionen zwischen zwei Menschen, um zu helfen. Diese zwei Menschen sollte sich a) kennen und b) am besten beide davon profitieren [und sei es nur wegen Karmabonuspunkte]. Unternehmen können keinen Freundschaftsdienst erhalten, denn sie sind ja eben dies nicht: Menschen. Kreativität sollte bezahlt werden, und man muss immer abwägen, was man nun macht und was nicht. shouldiworkforfree hat einen super Flowchart, der leider nur das Spektrum “umsonst” abdeckt. Umsonst kann man mit ganz tollen Sprüchen umschreiben, aber das gibt es wirklich: Umsonst arbeiten. Kostenlos. Ist es aber meistens nicht. Freunden hilft man, egal ob beim Umzug oder wenn Sie mal ein Foto brauchen. Damit hätten wir meine Haltung dazu geklärt.
Deshalb zur Wahre Freundschaftsdienst. Was wenn ein Bekannter, der wenig Geld hat, Euch um etwas bittet. Ein Bekannter wohlgemerkt, kein Freund, der einem aber trotzdem Geld gibt. Man hat ja immerhin Zeitkosten, Fahrtkosten, usw. Es liegt unter dem Satz, den ihr immer nehmt, ist für ihn aber ein fairer Preis. Oder ihr schlagt ihm etwas vor das Euch fair vorkommt, aber unter Eurem Preis liegt. Wann wisst ihr, dass ihr Euch unter Wert verkauft habt? Wann sollte man genau über einen Freundschaftsdienst nachdenken? In der Freundschaft gibt es viele Wege der Vergütung, kostenlose Nutzung der entstandenen Fotos, zum Essen eingeladen werden, verschenken, es gibt 1000 Wege zu “tauschen”, wenn ihr aber den monetären Weg gehen wollt bedenkt immer: Wenn Ihr einen Preis vorschlagt, und der andere nicht anfängt zu verhandeln, habt ihr zuwenig genommen. Und es gilt die goldene Regel, dass Ihr kein schlechtes Gewissen haben dürft, zu verlangen was Ihr haben wollt. Freundschaftsdienste sind für ebenjene: Freunde. Lasst Euch nichts anderes einreden. Schon gar nicht von Firmen! Der Tag hat nur 24 Stunden, davon sollte man mindestens 8 schlafen und den Rest sinnvoll füllen
Kategorisieren, warum? Fotografen kennen das Dilemma, wie finde ich meine alten Bilder. Lightroom oder ACDsee erleichtern das Kategorisieren von Fotos und erstellen von Datenbanken. Praktisch, praktisch. So eine Sortierung ist leicht: Bagger, Kinder, Eltern, etc. und hilft einem selbst beim finden, aber wie definiert man seine Fotos? Sicher ist, dass kein Portfolio alle Bilder des Fotografen enthält, somit findet hier der erste Splitt statt: gute und schlechte Fotos. Gefallen und Mißfallen. Einfach, subjektiv und total legitim!
Jetzt muss der Zugang zu den Bildern geklärt werden, es fällt leicht einfache Verknüpfungen zu erstellen: Technik zu Technik. Landschaft zu Landschaft. Leben zu Leben. Sinnvoll? Vielleicht. Stereotype, die man auf fast jedem Portfolio von einem Fotografen findet, aber ist es richtig Fotos auf diese Weise zu ordnen? Mir ist das zu eng, zu konkret, zu vorgebend. Mein Foto wirkt immer im Kontext meines Schaffens. Jedes Bild, dass ich ausstelle, wirkt mit den anderen Werken. Egal ob es für sich steht oder für eine Serie. Egal ob im Web oder im realen Raum. Vielleicht sollte man Fotos lieber nach Farben ordnen, oder Formen. Nach der Größe, oder dem Projekt. Der Stimmung, oder dem Geld was man dafür gekriegt hat.
Zuerst kam das Bild, dann das Wort
Die richtigen Worte für unsere Bilder zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Menschen haben den Drang zu sortieren, Schubladendenken. Yves Klein hatte seine blaue Phase. Picasso war Kubist. Banksy macht Streetart. Schubladen sind Nischen, und diese Nischen sind gut, denn Sie helfen eine Zielgruppe zu identifizieren, aber wird die Schublade nicht durch unser gesamtes Werk geschaffen? Reicht einfach die Schaffensperiode, also wann etwas enstanden ist? “Möglichst viel Werk”, dass ist mein Grundsatz. Wenn ich schreibe, schreibe ich, wenn ich fotografiere, fotografiere ich. Der Akt ist das Ziel, nicht dessen Beschreibung. Titel sind für mich Schall und Rauch. Belanglos, zufällig. Ein Datum mag mehr sagen, genau wie eine Technik, eine Emotion oder eine Farbe.
Seid ihr Menschen, die durch eine Ausstellung gehen und denken: schon wieder “ohne Titel” oder welche die ein Werk wirklich betrachten und erst dann merken: es hat keinen Titel. Zugegeben, nicht jeder Kurator ist so geschickt und stellt den Titel hinten an, und es ist auch leichter über die Mona Lisa zu reden als über “ohne Titel”, das Teil da, dieses bunte, ach du weisst schon welches wir meinen. Und gerade diese Not, führt zu einer ernsthaften Diskussion, und da es als Fotograf um das Werk geht, ist der Titel sekundär. Da ist eher die Persönlichkeit des Fotografen ausschlaggebend.
Die Flut des sich wichtig nehmenden Unwichtigen
Ich ertappe mich immer wieder wie ich Portfolios schließe, weil ich sie belanglos finde. Sanft gleiten sie dahin, meist gar nicht mal schlecht und mit Mühe gestaltet, langweilen sie mich trotzdem und ich denke nur: schon wieder und lasse dabei langsam die Luft zwischen meinen Lippen entweichen. Dann kommenden die vorwurfsvollen Fragen meines Gewissen: Wie vermeidet man dieses Dilemma? Wie begeistert man? Wie stößt man ab? Wird mein Portfolio genauso schuldig gesprochen? NATRÜLICH! Und es ist nicht schlimm!
Geschmäcker sind verschieden und, um wieder auf die Datierungen zurück zu kommen, variieren mit den Jahren. Was ich mit 14 toll fand mag heute ziemlich “cheesy”, also kitschig sein und lässt mich nur lächend meinen Kopf über mich selbst schütteln. Fotorealisitsches Malen? Eindrucksvoll, aber nicht der heilige Grahl. Abstraktion? Weiterhin zu ausgelutscht. Konzepte sind super, auch über Jahre hinweg, als Jugendlicher undenkbar. Genau wie sich unser Musikgeschmack in der Jugend ändert und mit dem Alter festigt, so sieht man sich an vielem einfach satt, anderes kann man immer wieder sehen. Klar, das Zeitalter der visuellen Kommunikation überlastet uns alle, wir sehen uns immer schneller satt. Es ist einfach nicht genug Platz für das Mittelmaß, denn Zeit ist wertvoll und wer will die schon mit dem Platz 150 verschwenden, wenn 149 besser sind? Es geht um die Werke, und die werden auch nicht durch fantasievolle oder ordentliche Kategorien besser, schon gar nicht durch Titel. Vielleicht durch Rot oder Größe, aber das ist ein Thema für ein anderen Artikel.
Mehr Fragen als Antworten
So steht man vor immer mehr Problemen, dabei sollten doch nur die Kategorien im Portfolio benannt werden! Da kommt es, ich glaube, ich weiss jetzt wie ich sie nenne: Fotos. Und da kommen nur die rein, die ich mag. Und warum sind die da? Weils meine besten der besten der Besten sind. Lass die Kategorien eben diese sein, und mach endlich mal wieder Fotos. Gute Fotos, die dir gefallen und die du anderen zeigen möchtest, mit den Worten: Hier sind meine neuen Bilder.
